
Zehn Uhr morgens, ein Himmel, der Ende September eigentlich nicht so blau sein dürfte, und mittendrin die Grugahalle wie ein Flügel aus Beton. Ich war zur zweiten Essener Lego-Börse rübergefahren — und eines sollte man vorwegschicken, weil es den Unterschied zu den Fan-Ausstellungen ausmacht, über die ich sonst schreibe: Das hier ist ein Markt. Hier wird gekauft.

Eine Börse ist keine Ausstellung
Das Foyer ist ein einziger langer Raum, und um halb elf beugte sich an jedem Tisch jemand über die Kisten. Lose Steine, nach Farben sortiert, nach Gewicht verkauft. Tütchen für 30 Cent, zehn Stück für 2,50 €. Gebrauchte Sets in Gefrierbeuteln, vorne ein Zettel mit einer Zahl drauf, drei Lagen hoch über den ganzen Tisch.

Über den Preis entscheidet dabei nicht nur, was im Beutel ist. „Für den Verkaufspreis ist auch entscheidend, ob die Original-Siegel der Verpackung noch ungeöffnet sind. Besondere Sets kosten manchmal mehr als 1000 Euro“, erklärt Veranstalter Holger Blumberg in der WAZ — deren Reporterin ein paar Stände weiter zusah, wie eine Ghostbusters-Feuerwache für 725 Euro den Besitzer wechselte.
Das Schönste aus dem Artikel kommt von einem Paar Mitte zwanzig, das aus Moers angereist war: Abends machen die beiden gern ein „Lego-Date“, dann wird der Esstisch zum Bauplatz. „Wir konzentrieren uns auf unser Projekt und scrollen dadurch nicht wahllos am Handy herum“, sagt Alessia Larocca. Die Obergrenze liegt bei 500 Euro pro Set.
Die Modelle aber
Auch auf einer Börse dieser Größe stellen Fans ihre eigenen Modelle aus, und die Ausstellungstische sind der Grund, warum ich deutlich länger geblieben bin als geplant. Angefangen bei dem hier, das ich hiermit zur besten Idee des Tages erkläre:

Ein AT-AT. In Fabuland. Blauer Körper, große gelbe Fenster, seitlich eine kleine rote Markise — der Schreitpanzer von Hoth als Häuschen auf Beinen. Auf der Karte davor: 1116 Teile, drei Monate Bauzeit, von Patsonbricks nach einem Design von Stubot — und die Stormtrooper sind durch Pandas ersetzt. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sechs Monate an einem Turm
Zwei Tische weiter das genaue Gegenteil: ein Coruscant-Turm, von innen beleuchtet, Landeplattformen voller Speeder, an jeder Tischecke ein „Nicht berühren!“-Schild.

Auf der MOC-Karte stehen Rafael und Lenny als Erbauer, sechs Monate Bauzeit — und dann, das mag ich besonders, eine Handlung dazu. Ebene -2011-: Cal Kestis kehrt nach den Kämpfen mit dem Imperium zurück nach Coruscant, um sich dort mit einer Rebellen-Allianz zu verbünden. Das Imperium bekommt die Rückkehr mit und will ihn diesmal endgültig auslöschen. Da baut jemand sechs Monate an einem Modell und schreibt ihm anschließend einen Cliffhanger.
Der ruhige Tisch
Und dann ein Tisch, an dem sich niemand drängelte — meistens steht genau da das Beste:

Rote und orange Ahornbäume, Blatt für Blatt gebaut, Trittsteine über die Wiese, oben am Hang ein Torii, ein Schild in Katakana, ein paar Pilze, kleine weiße Wesen auf dem Rasen — und ganz unten am Wasser, wo man glatt vorbeiläuft, eine Figur unter einem breiten Strohhut neben einer Seerose.
Zwei Minifiguren in Toastergröße

Aus Steinen gebaut, kniehoch, das Classic-Space-Logo auf der Brust: ein gelber Raumfahrer und sein schwarzes Gegenstück, als Wache über einem Tisch voller Star-Wars-Sets. Verkauft wurden die beiden nicht. Sie standen da, damit man stehen bleibt. Bei mir hat es funktioniert.
Die Halle

Blumberg hatte Cosplayer engagiert, also zogen den ganzen Vormittag Figuren aus Star Wars und dem Marvel-Universum durch die Gänge, und irgendwo zwischen den Minifiguren-Kisten stand eine Fee im rosa Kleid mit Sonnenschirm. Die Premiere im vergangenen Jahr brachte rund 3500 Menschen in dieses Foyer — „das ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt er — und ihm war schon während der ersten Auflage klar, dass es eine zweite geben würde.
Die Idee kam ihm auf Flohmärkten, wo ihm auffiel, dass es in der Umgebung kein größeres Event gibt, bei dem sich alles um die kleinen Bausteine dreht. „Ich hatte einfach Bock darauf, so etwas mal zu machen“, erzählt er. Zu Hause hat er ein rund 16 Quadratmeter großes Zimmer, das komplett dem Hobby gehört: hauptsächlich Star Wars, dazu ältere Sets aus seiner Kindheit. Sein erklärtes Ziel für den Tag ist, dass Lego nicht auf Dachböden und in Kellern verstaubt, sondern wieder zum Leben erweckt wird.
Warum ich da war
Auch diesmal nicht nur zum Gucken. Auf einer Fan-Ausstellung steht die Frage im Raum: Welches Teil fehlt mir noch? Auf einer Börse ist es eine andere: Habe ich das schon — und sind 70 € dafür in Ordnung? Genau dafür baue ich BrickDb — und mit dem Handy in der Hand vor einem Tisch voller Beutel habe ich sehr genau gesehen, welche Hälfte davon noch fehlt.
Die nächste Essener Lego-Börse ist am 19. September 2027, im selben Foyer. Ich bin wieder da — und bringe dann eine Liste mit.
Die Eckdaten
| Was | Essener Lego-Börse 2026 — zweite Auflage, eine LEGO®-Börse |
| Wann | Sonntag, 27. September 2026 |
| Wo | Foyer der Grugahalle, Norbertstraße 2, 45131 Essen |
| Veranstalter | Holger Blumberg |
| Nächster Termin | 19. September 2027, im selben Foyer |
Die Zitate und die Besucherzahl stammen aus dem Bericht von Jill Sommer in der WAZ vom 27. September 2026. LEGO® ist eine Marke der LEGO Gruppe, die diese Seite weder sponsert noch unterstützt. Alle Fotos sind von mir, aufgenommen am 27. September 2026; die Modelle gehören denen, die sie gebaut haben.